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Regierung erwägt Nachbesserung bei neuer Wohnimmobilienkreditrichtlinie

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Ein abgelehnter KreditantragWie kürzlich in einem Artikel der BILD zu lesen war erwägt die Bundesregierung eine Nachbesserung der in die Kritik geratenen, neuen Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Viele Fachleute sehen mit den aktuellen Regelungen gerade Rentner und junge Familien stark benachteiligt, da sie größere Schwierigkeiten haben als bisher, an eine Immobilienfinanzierung zu gelangen. Andreas Schrobback aus Berlin ist schon seit vielen Jahren erfolgreich am Immobilien- und Kapitalanlagemarkt in Deutschland tätig. Er sieht ebenfalls Nachbesserungsbedarf, da gerade die Immobilie als wichtiges Standbein der Altersvorsorge so für viele Menschen nicht mehr verfügbar ist. Die ursprüngliche EU-Richtlinie, die erst im März dieses Jahres in deutsches Recht umgesetzt wurde, war auch gar nicht so strikt gefasst worden. Grundsätzlich sollte sie der Vorbeugung von Überschuldung dienen und so eine mögliche Immobilienblase unterbinden. Die extrem strenge Umsetzung in nationales Recht hierzulande jedoch schießt zu weit über das Ziel hinaus und grenzt bestimmte Gruppen ganz von der Möglichkeit einer Immobilienfinanzierung aus.

Um was geht es bei der Richtlinie genau?

Die im März umgesetzte Richtlinie verpflichtet Darlehensgeber wie z. B. Banken zu einer viel härteren Bonitätsprüfung von Immobilienkreditkunden. Wegen der zurückliegenden Immobilienblase in Südeuropa, der Folgen noch immer nicht ganz ausgestanden sind, wollten die Urheber der EU-Richtlinie die Gefahr zukünftig innerhalb der EU durch härtere Kriterien bei der Vergabe verringern. Die Überschuldung der Kreditnehmer soll verhindert werden, indem man das verfügbare Einkommen bzw. das vorhandene Eigenkapital stärker gewichtet als bisher und z. B. den Immobilienwert selbst in der Gewichtung herunterstuft. Die Anbieter sind somit verpflichtet, zu prüfen, ob die Rückführung des Darlehens durch das vorhandene Einkommen sichergestellt ist, auch wenn sich die Zinsen ungünstig entwickeln. Doch dies führt zunehmend zu Problemen bei älteren Menschen und bei jungen Familien.

Wieso sind ältere Menschen und junge Familien besonders benachteiligt?

Die Benachteiligung der genannten Gruppen durch die neue Richtlinie basiert vor allem auf der höheren Gewichtung des Einkommens bei den Vergabekriterien. So können junge Familien, bei denen ein Elternteil z. B. die Erziehung übernimmt, in der Regel keine größeren Einkommen aufbringen. Senioren hingegen haben nur noch eine begrenzte Restlebenserwartung und weisen damit oft eben auch nicht die ausreichenden Einkommenskriterien für eine positive Kreditentscheidung auf. Junge Familien bekommen so immer öfter nicht mehr die Möglichkeit, überhaupt in die eigenen 4 Wände einzuziehen und ältere Menschen können ihre Immobilien nicht altersgerecht umbauen oder sanieren. Die Kritik aus verschiedenen Richtungen wird derzeit immer lauter. Selbst die große Koalition hat jedoch mittlerweile Bedenken, ob die Richtlinie wirklich weiterhin so Bestand haben kann.

Wie geht es nun weiter?

Es wäre wünschenswert, wenn die Regierung – wie von Finanzminister Wolfgang Schäuble angekündigt – nun möglichst rasch nachbessert. Wenn bestimmte Gruppen bei der Kreditvergabe benachteiligt sind, hat dies auf lange Sicht negative Auswirkungen auf die Altersvorsorge und die Immobilienwirtschaft. Viele Fachleute sehen dies sehr ähnlich und hoffen ebenfalls auf baldige Aktion. Zudem steht die derzeitige, restriktive Vergabepolitik im Gegensatz zu den eigentlich von der Europäischen Zentralbank (EZB) forcierten Kreditanreizen für eine höhere Investitionsbereitschaft. Mit einer solch verbraucherunfreundlichen Kreditrichtlinie wie derzeit wird mehr Schaden als Schutz angerichtet. Man muss nun abwarten, wie bald hier eine Verbesserung erfolgt und ob größere negative Auswirkungen noch zu beobachten sind oder nicht.

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